v.l.n.r.: Dr. André Knabe, Dr. Benjamin Torner, Dr. Hermann Winrich Pommerenke, Dr. Lars Mielke
(Fotos: privat).

 

Im Jahr des 30. Gründungsjubiläums der Gesellschaft der Förderer der Universität Rostock e.V. (GFUR) werden an der Universität Rostock vier Nachwuchswissenschaftler für ihre herausragenden Doktorarbeiten mit einem Joachim-Jungius-Förderpreis ausgezeichnet.

 

Dr. Hermann Winrich Pommerenke (Fakultät für Informatik und Elektrotechnik)

Herr Dr. Pommerenke hat in seiner Promotionsarbeit „Compact Radio-frequency Quadrupoles for Industrial and Medical Applications“ ein Thema der Beschleunigerphysik und -technologie bearbeitet, welches auf die Anwendung in Kultur, Industrie und Medizin ausgerichtet ist. Teilchenbeschleuniger werden nicht nur für die Hochenergiephysik, sondern auch zu einem weit überwiegenden Teil in der Industrie, der Medizin (speziell in der Krebstherapie) und für eine Reihe weiterer Anwendungen eingesetzt.

Durch die Forschungsarbeit von Herrn Pommerenke kommt hier nun eine neue Applikationsmöglichkeit hinzu: Die zerstörungsfreie Prüfung von kulturellen Gütern direkt vor Ort, z.B. von archäologischen Stücken und Kunstwerken in Museen. Herr Pommerenke hat dafür verschiedene Hochfrequenzquadrupole entworfen, die Dimensionierung berechnet und durch Messungen überprüft.

Die Arbeit wurde im Rahmen eines Gentner-Stipendiums des BMBF in einem internationalen und interdisziplinären Team überwiegend am CERN, der europäischen Organisation für Kernforschung, bearbeitet.

 

Dr. André Knabe (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)

Die Dissertation von André Knabe untersucht die subjektive Wahrnehmung und Bewältigung von Armut in sozialen Netzwerken. Hierfür hat er mehr als 50 ausführliche Interviews mit einkommensarmen Menschen in Mecklenburg-Vorpommern geführt und diese wissenschaftlich ausgewertet.

André Knabe zeigt, dass es nicht „den“ armen Menschen gibt. Stattdessen weist er unterschiedliche Armutstypen nach und schlägt — nach Armutstypen differenziert — Handlungsmöglichkeiten für die Sozialpolitik vor.

Inhaltlich bereichert die Netzwerkperspektive die klassische soziologische Armutsforschung; methodisch gelingt der Spagat zwischen qualitativer und quantitativer Forschung.

Die Arbeit bietet somit eine herausragende Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz mit hoher gesellschaftlicher Relevanz.

 

Dr. Lars Mielke (Philosophische Fakultät)

Als Latinist und Biologe bringt Dr. Lars Mielke diese beiden Kompetenzen gleichermaßen gewinnbringend in seine umfangreiche Dissertationsschrift „Spaliere für Silvinus. Charakterschulung in Columellas Werk über die Landwirtschaft“ ein. Durch den gesamtheitlichen Ansatz zur Interpretation des antiken Fachtextes setzt er einen Meilenstein bei der Erforschung dieser Textgattung. Methodisch fundiert nimmt er mit dem Konzept der „fachbezogenen Charakterschulung“ als Instrument zur Identifizierung von Vermittlungsstrategien den Rezipientenkreis detailliert in den Blick und belegt, dass es Columella um sachliche, praxisorientierte Wissensvermittlung und die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen der Betriebs- und Menschenführung ging. Die Relevanz antiker Texte zu Themen wie Nachhaltigkeit, land grabbing und Profitmaximierung hat Herr Mielke auch durch diverse Vorträge im nationalen und internationalen Rahmen wirkungsvoll präsentiert und die internationale Wahrnehmung Rostocks als Standort der Erforschung antiker Fachschriftsteller und Rhetorik gestärkt.

 

Dr. Benjamin Torner (Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik)

Die eingereichte Dissertation behandelt eine Herzpumpe in Form einer axialen Strömungsmaschine, die zur Überbrückung der Wartezeit von Herztransplantations-Patienten eingesetzt wird. Die Patienten erfahren mit diesem Hilfsmittel eine 80%-ige Überlebenswahrscheinlichkeit, nach zwei Jahren sinkt diese auf 70%. Grund hierfür ist u.a. eine Schädigung des Blutes durch erhöhte Schubspannungen in der Maschine, hervorgerufen durch Strömungsablösungen und Turbulenzen. Herr Dr. Torner führte seine Untersuchungen zur Lokalisierung der Blutschädigungen innerhalb des künstlichen Organs mittels numerischer Simulationen und experimenteller Methoden durch. Es ist absehbar, dass mittels der im Rahmen dieser Dissertation entwickelten Werkzeuge sich künftig Herzpumpen entwickeln lassen, die deutlich geringere Blutschädigungen hervorrufen werden und somit zu einer erhöhten Überlebenswahrscheinlichkeit der Patienten beitragen können.